Physik schlägt Meinung #3: Gesetze kann man ändern. Mathematik nicht.
Die Bundesregierung sägt gerade den Richter ab, der zwischen einem Beamten und eurer Festplatte steht, und verkauft das als Schutz der Demokratie. Übrig bleibt eine einzige Sicherung, die kein Bundestag wegstimmen kann: Verschlüsselung auf eurer eigenen Hardware. Physik schlägt Meinung, Folge 3 — diesmal rechnet die Sonne mit.
Durchsuchen auf Verdacht
Nach Vorgabe aus Brüssel strickt die Bundesregierung ein Gesetz, mit dem eine Regierungsbehörde Redaktionen, Parteizentralen und Plattformen durchsuchen darf, ohne dass vorher ein Richter unterschrieben hat, einfach weil sie „Wahlbeeinflussung“ vermutet, Laptops raus, Handys raus, Server raus, bei YouTube, bei X, und zuständig wäre die Bundesnetzagentur unter Klaus Müller, grüner Apparatschik, der dann höchstpersönlich festlegt, wann „Gefahr in Verzug“ ist — zum Beispiel, wenn ein unbequemer Journalist gleich ein neues Video aufnehmen will.
Der Richtervorbehalt war der Türsteher. Den setzen sie gerade vor die Tür.
Das ist, als dürfte der Bezirksschornsteinfeger ab sofort ohne Termin in eure Wohnung, weil er vermutet, euer Kamin qualmt politisch falsch, und das Messergebnis trägt er sich hinterher selbst ins Protokoll ein. Wer in einer Person verdächtigt, durchsucht und bewertet, braucht keinen Beweis mehr, nur noch Lust. Heute trifft es Parteien und Redaktionen. Eure Mails, Fotos und Kommentare liegen aber genau auf diesen Servern — wer den Server von X mitnimmt, nimmt euch gleich mit. Ich hatte die Staatsmacht schon im Wohnzimmer, Hausdurchsuchung, Anlass Franziska Giffey, und Heiko Schöning kann euch erzählen, wie gemütlich ein Verhör beim Staatsschutz ist. Kein Ausrutscher. Ein Muster.
Der Kampfbegriff „Wahlbeeinflussung“ ist erprobt. In Rumänien hat man damit eine komplette Wahl annulliert. Vor den niederländischen Wahlen 2023 hat die EU-Kommission das niederländische Innenministerium zum „Trusted Flagger“ geadelt, zum bevorzugten Melder, dessen Löschwünsche die Plattformen zuerst abarbeiten — die Regierung, die selbst zur Wahl stand, durfte priorisiert wegräumen lassen, was ihr nicht passte. Das ist der Kuchenwettbewerb beim Dorffest, bei dem die Bäckerin mit der eigenen Schwarzwälder im Rennen vorher bestimmt, welche Torten der Konkurrenz wegen Salmonellenverdacht aus dem Zelt fliegen. Wer als Regierung zur Wahl steht und gleichzeitig löschen lassen darf, was gegen ihn spricht, schützt keine Wahl, er bereinigt sie. Bei mindestens 8 europäischen Wahlen wurde so systematisch gelöscht, schwarz auf weiß im Bericht des Justizausschusses des US-Repräsentantenhauses vom 03.02.2026. Die einzige Plattform, die nicht mitgelöscht hat, war X — und X kassiert jetzt Verfahren nach dem Digital Services Act in Milliardenhöhe. Die Botschaft an jede Plattform: Wer nicht spurt, zahlt. Und damit an jeden von euch, der dort schreibt. Über 100 Fachleute für Meinungsfreiheit haben gewarnt, der korrupte Lobbyhaufen namens EU-Kommission hat alles vom Tisch gewischt. Genau diesen Begriff holt das neue Gesetz jetzt nach Deutschland — diesmal mit Durchsuchungsrecht.


Brüssel oder Washington: Beide haben den Zweitschlüssel
An der Spitze dieser Kommission sitzt Ursula von der Leyen, die beim größten Impfstoffdeal der EU-Geschichte ihre SMS mit Pfizer-Chef Albert Bourla verschwinden ließ, Milliarden auf Zuruf per Handy, Nachweis futsch, Nachfragen unerwünscht, und dieselbe Frau droht heute jeder Plattform mit 6 Prozent vom weltweiten Jahresumsatz, wenn sie nicht löscht, liefert, öffnet, und will an eure Server, eure Chats, eure Postfächer.
Ihre Nachrichten: gelöscht. Eure Nachrichten: Beweismittel.
Das ist der Kontrolleur in der Straßenbahn, der sein eigenes Ticket aufgegessen hat und euch dann 60 Euro erhöhtes Beförderungsentgelt abknöpft, weil eures zerknittert ist. Wer die eigenen Nachrichten verschwinden lässt und gleichzeitig Einblick in eure verlangt, dem geht es nicht um Transparenz, sondern um Kontrolle, und zwar nur in eine Richtung. Frau von der Leintale weiß schließlich aus Erfahrung, warum man Beweise löscht.
Wer jetzt glaubt, die Rettung heiße Microsoft-Cloud, weil die Amis ja weit weg sind: Microsoft hat 2025 vor dem französischen Senat unter Eid bestätigt, dass US-Behörden über den Cloud Act an die Daten kommen, egal ob der Server in Frankfurt oder Paris steht. Im Februar 2025 hat Microsoft dem Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs auf US-Sanktionsdruck das Mailpostfach gesperrt. Das ist euer Bankschließfach in Frankfurt, bei dem ein Anruf aus Washington genügt und der Filialleiter tauscht das Schloss — ihr steht mit eurem Schlüssel davor, drinnen liegt euer Leben. Wenn das dem obersten Ankläger der Welt passiert, wie lange dauert es dann beim Dachdecker aus Völklingen? Die US-Cloud ist kein Fluchtort vor Brüssel, sie ist nur eine zweite Tür für denselben Einbruch. Warum die EU-Cloud dieselbe Mogelpackung mit anderem Briefkopf ist, habe ich hier zerlegt. Da steht auch meine Tabelle, und in der steht bei „Daten auf eigenem Linux-Server“: EU-Zugriff nur mit richterlichem Beschluss. Genau diese Zeile streichen sie gerade. Übrig bleibt die letzte: selbst verschlüsselt, selbst gehostet.
Die Sonne reicht nicht
Und jetzt kommt die Physik, die sich um keinen Bundestag schert. Jedes Bit, das ein Computer umschaltet, kostet eine physikalische Mindestenergie, die Landauer-Grenze, kT·ln2, darunter geht nichts, nicht mit Geld, nicht mit Gesetz, und wer die gesamte Energie, die die Sonne in einem Jahr abstrahlt, in einen perfekten Computer steckt, kommt damit gerade bis 2192 — nur gezählt, noch keinen einzigen Schlüssel ausprobiert, eine explodierende Supernova reicht für 2219, und ein AES-256-Schlüssel hat 2256 Möglichkeiten. Die Bundesnetzagentur kann per Bescheid festlegen, dass Pi ab Montag glatt 3 ist, weil es sich so leichter verwalten lässt — eure Pizza wird davon keinen Zentimeter größer. Ein Gesetz kann den Richter abschaffen, die Thermodynamik kann es nicht abschaffen. Den Server können sie mitnehmen, den Schlüssel in eurem Kopf nicht, vorausgesetzt, das Passwort heißt nicht Bello2019.
Das Werkzeug dafür kostet nichts. Linux Mint statt Windows, weil ein Betriebssystem, das ständig nach Redmond telefoniert, kein Tresor ist, sondern ein Petzer. Nextcloud auf eurem eigenen Server statt OneDrive, dann liegt eure Cloud bei euch im Keller und nicht in Virginia. LUKS-Vollverschlüsselung für die Festplatte, VeraCrypt-Container für das, was richtig heikel ist — wer den Rechner beschlagnahmt, trägt einen Briefbeschwerer nach Hause. GnuPG für die Mails, KeePassXC offline für die Passwörter, Matrix mit Element statt WhatsApp. Ein Wochenende Arbeit. Danach seid ihr das einzige Glied in der Kette, das niemand wegbeschließen kann.
Und jetzt zu euch. Ihr regt euch über das Durchsuchungsgesetz auf, teilt empört den Beitrag, und am nächsten Morgen schiebt das Handy die Urlaubsfotos, die Steuerunterlagen und den Chat mit dem Hausarzt wieder brav in die Google-Cloud, Word speichert auf OneDrive, war halt so voreingestellt. Würde euer Vermieter sagen, er behält einen Zweitschlüssel und lässt ab sofort auch Beamte ohne Anmeldung rein, ihr würdet noch am selben Tag das Schloss tauschen. Bei euren Daten heißt es: „Ich hab doch nichts zu verbergen.“ Wer so redet, hat das Gesetz unterschrieben, bevor der Bundestag abstimmt, und legt den Schlüssel gleich mit auf den Tisch.
Meine Daten liegen verschlüsselt auf Linux, im eigenen Keller. Wer ran will, darf klingeln, mit Beschluss oder ohne. Die Tür kriegen sie auf. Die Platte nicht.
Den Richter können sie abschaffen. Die Sonne nicht.
„Brute-Force-Angriffe gegen 256-Bit-Schlüssel werden undurchführbar bleiben, bis Computer aus etwas anderem als Materie gebaut werden und etwas anderes als Raum einnehmen.“ — Bruce Schneier, Applied Cryptography, 2. Auflage 1996 (übersetzt)
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Häufige Fragen
Darf die Bundesnetzagentur Redaktionen und Parteien ohne richterlichen Beschluss durchsuchen?
Genau das sieht das geplante deutsche Umsetzungsgesetz zu den EU-Regeln für politische Werbung vor: Bei vermuteter Wahlbeeinflussung und „Gefahr in Verzug“ soll die Bundesnetzagentur Laptops, Handys und Server von Redaktionen, Parteien und Plattformen beschlagnahmen dürfen, ohne vorherigen Durchsuchungsbeschluss. Damit fällt der Richtervorbehalt als Sicherung zwischen Behörde und Daten weg.
Kann der Staat AES-256-verschlüsselte Daten knacken?
Nicht per Durchprobieren. Nach der thermodynamischen Abschätzung von Bruce Schneier (Applied Cryptography) reicht die gesamte Jahresenergie der Sonne, um bis 2 hoch 192 zu zählen, eine Supernova für 2 hoch 219 — AES-256 hat 2 hoch 256 mögliche Schlüssel. Angreifbar bleibt nur ein schwaches Passwort oder ein Gerät, das im entsperrten Zustand in fremde Hände fällt.
Wie schütze ich meine Daten vor Behördenzugriff aus EU und USA?
Daten raus aus US-Clouds wie OneDrive oder Google Drive, die über den Cloud Act zugänglich sind. Stattdessen Linux Mint als Betriebssystem, Nextcloud auf eigenem Server, LUKS-Vollverschlüsselung oder VeraCrypt-Container, GnuPG für E-Mails, KeePassXC offline für Passwörter und Matrix/Element als Messenger. Entscheidend ist, dass nur ihr den Schlüssel habt.
Helge Reichert · IT-Techniker · KI-Trainer · helges-pcwelt.de · Serie: Physik schlägt Meinung
