
Die Zukunft des Cloud Computing: Dein Büro, Washingtons Zweitschlüssel
Du zahlst jeden Monat Miete für ein Büro, in dem du Gast bist: Angebote, Lohnlisten, Kundenadressen und die Fotos von jeder Baustelle liegen im Rechenzentrum eines US-Konzerns, und an den Zweitschlüssel kommen US-Behörden heran. So verkaufen die Anbieter dir die Zukunft. Die andere Zukunft steht auf deinem eigenen Server und heißt Nextcloud.
Der Zweitschlüssel hängt in Washington
Am 10. Juni 2025 steht Anton Carniaux von Microsoft France unter Eid vor dem französischen Senat und gibt zu, was jeder Admin seit Jahren weiß und jeder Geschäftsführer seit Jahren wegklickt: US-Behörden kommen an Daten heran, die in Europa gespeichert sind, egal wie schön „Region Europa“ im Vertrag prangt, egal ob der Vertreter beim Verkaufsgespräch von Vertrauen, Partnerschaft und Compliance geschwärmt hat, egal wie viele Seiten Kleingedrucktes du abgenickt hast.
Unter Eid. Protokolliert.
Die Rechtsgrundlage heißt Cloud Act, erlassen 2018, ausgeschrieben Clarifying Lawful Overseas Use of Data Act: Der Anbieter ist amerikanisch, also reicht der Arm der Behörde bis in sein Rechenzentrum in Europa. Die ganze Geschichte steht im Artikel Der Cloud Act. Hier die Werkstatt-Fassung: Du mietest eine Halle, hängst dein Werkzeug sauber an die Wand, und der Vermieter hat einen Zweitschlüssel, den sich ein Amt aus einem anderen Land ausleihen darf, während du Montagmorgen vor einer Tür stehst, hinter der dein Bohrhammer schon Besuch hatte.
Dein Bohrhammer weiß es. Du erfährst es zuletzt.
Deshalb schützt „Server in Europa“ so weit wie ein Aufkleber „Einbruchsicher“ an einer Tür mit Zweitschlüssel.
Frankreich probiert es, Google verheimlicht es
Frankreich legt 2019 die Gesundheitsdaten seiner Bürger bei Microsoft Azure ab, dafür gibt es hinterher eine Senats-Untersuchung, weil irgendwann jemand fragt, wer außer dem Patienten noch an die Akte kommt, und die Antwort ein Konzern in Übersee ist, und bei uns macht Google Cloud EMEA es eleganter: Die Kooperationsvereinbarung mit dem BSI soll öffentlich werden, Google verweigert die Veröffentlichung, und das BSI, die Bundesbehörde für IT-Sicherheit, gibt nach, wie ein Hausmeister, der dem Mieter den Schlüsselbund hinterherträgt und dabei noch die Tür aufhält.
Der Konzern bestimmt, was die Öffentlichkeit lesen darf. Die Behörde sagt Danke.
Eine Behörde, die du mit Steuergeld bezahlst, lässt sich von einem US-Konzern verbieten, dir ihren eigenen Vertrag zu zeigen, und das ist der eigentliche Skandal: Was mit Steuergeld geschlossen wird, gehört auf den Tisch, Punkt. Welcher Referatsleiter das abgenickt hat, will ich schriftlich, mit Namen und Dienstzimmer. Wer so abhängt, ist erpressbar, das Wort dafür steht im Artikel Digitale Erpressbarkeit.
Brüssel braucht fünf Stufen, du eine Frage
Die EU-Kommission hat sich für die Cloud ein Zeugnissystem gebaut, das Cloud Sovereignty Framework mit acht Souveränitätszielen und Noten von SEAL-0 bis SEAL-4, ein Aufwand wie die Zulassung eines Kernkraftwerks, und am Ende wird ein Speicherplatz bewertet, der so einfach zu prüfen ist wie ein Fahrrad: Gehört es dir, oder fährt es ein anderer? Wer sich in die Tiefe lesen will, findet alles im Artikel zum EU Cloud Sovereignty Framework.
Für einen Betrieb mit 3 bis 20 Leuten reicht eine einzige Frage vor jedem Vertrag, und die kostet dich 10 Sekunden.
Die Schlüsselfrage vor jedem Cloud-Vertrag
- Wem gehört der Anbieter?
- Wer außer mir hat den Zweitschlüssel?
- Wo liegt mein Backup, und nehme ich es mit, wenn ich gehe?
Wer hat den Zweitschlüssel?
Dein Server, dein Schlüssel
Nextcloud auf einem eigenen Server ersetzt Dropbox, OneDrive und Google Drive in einem Rutsch, Dateien, Kalender, Kontakte, Aufgaben, Videochat, alles auf einer Maschine, die in deinem Büro oder bei einem Hoster in Deutschland steht, und der Schlüssel hängt an deinem Bund. LibreOffice liest und schreibt deine Word- und Excel-Dateien und kostet null Euro Lizenz, im Monat, im Jahr, pro Platz. Linux Mint läuft auf den Büro-PCs, Nextcloud im Serverschrank, das Backup auf einer Platte im Schrank daneben: Das ist die ganze Cloud, die ein Betrieb mit 3 bis 20 Leuten braucht.
Die Mietcloud ist Taxifahren: Der Fahrer sitzt vorne, kennt jedes Ziel und schickt jeden Monat die Rechnung.
Das läuft bei mir selbst so: Nextcloud AIO auf einem Debian-Server, davor Traefik, das Zertifikat kommt von Let’s Encrypt. Für das Backup gibt es Backup Linux Free, und der Server bekommt einen Wachposten, dafür steht Security-Monitoring für Handwerker und KMU. Wie weit Daten in fremden Händen reichen, steht in Digitale Souveränität: Eure Daten sind nicht sicher. Freie Software kostet null Euro und gehört allen, der Stecker steckt in deiner Steckdose, und die Steckdose gehört dir.
Und jetzt zu dir
Du hast das Abo selbst abgeschlossen, an einem Dienstagnachmittag, zwischen zwei Angeboten und einem Anruf vom Lieferanten, das Häkchen bei „In der Cloud speichern“ war schon gesetzt, du hast auf Weiter geklickt, so wie du seit Jahren bei jedem Update auf Weiter klickst, und wenn nächstes Jahr der Preis steigt, schreibst du einen wütenden Kommentar und zahlst.
Im Betrieb wirfst du jeden Lieferanten raus, der sich heimlich einen Schlüssel zur Werkstatt nachmachen lässt. Bei der Cloud heißt es: „Machen doch alle.“ Na klar.
Dein Büro. Dein Schlüssel. Dein Feierabend.
Häufige Fragen
Kann die US-Regierung auf meine Daten in einer europäischen Cloud zugreifen?
Ja, sobald der Anbieter ein US-Konzern ist. Anton Carniaux von Microsoft France bestätigte am 10. Juni 2025 unter Eid vor dem französischen Senat, dass US-Behörden auf in Europa gespeicherte Daten zugreifen können. Die Rechtsgrundlage ist der Cloud Act von 2018, ausgeschrieben Clarifying Lawful Overseas Use of Data Act.
Was ist das EU Cloud Sovereignty Framework?
Der Bewertungsrahmen der EU-Kommission für Cloud-Angebote. Er arbeitet mit acht Souveränitätszielen und bewertet Anbieter von SEAL-0 bis SEAL-4. Für Betriebe mit drei bis zwanzig Leuten reicht als Grundfrage: Wer außer mir hat den Schlüssel zu meinen Daten?
Welche Cloud-Alternative passt für einen Handwerksbetrieb mit 10 Mitarbeitern?
Nextcloud auf einem eigenen Server ersetzt OneDrive, Dropbox und Google Drive: Dateien, Kalender, Kontakte und Videochat laufen auf einer Maschine im Büro oder bei einem Hoster in Deutschland. Dazu kommen LibreOffice für die Dokumente und Linux Mint auf den Büro-PCs. Das Backup liegt auf einer eigenen Platte, der Server bekommt Security-Monitoring.
Quellen: Storage-Insider (Aussage Anton Carniaux vor dem französischen Senat, 10.06.2025), Cloud Computing Insider (16.02.2026), GUTcert (Januar 2026), EU-Kommission (Cloud Sovereignty Framework), FragDenStaat (Google Cloud EMEA und BSI).
